Wieder einmal, weil es nötig war, und weil genügend Leute in Dresden keine Nazis wollen, [...] standen Menschenmauern dort, wo die Schwarzbraunen eigentlich laufen wollten. Nicht immer war das einfach, und überall war es vor allem kalt. Doch wo viele bewegte Menschen zusammenkommen, wird es warm – und wenn es nur im Herzen ist. Das reicht, um von neun bis 17 Uhr auszuharren. Wer hätte das gedacht?
An dem Platz, wo ich war, ging es weitgehend friedlich zu, sieht man mal von den zwei Menschen ab, die mit entzündeten, tränenden Augen nach einem Sanitäter suchten. Pfefferspray oder Reizgasattacken haben eine umwerfende Wirkung. Nur, was hatten die beiden Böses getan? Beides waren keine Türstehertypen, sondern auffällig zartgliedrige, eher kleine Leute. Aber sie hatten wohl genau gegenüber der Polizeisperre gestanden und wer weiß was gerufen. Wie man hören konnte, reichte aber auch das einfache „So-Aussehen“ an diesem Tag, um den Zorn der Uniformierten zu erregen.
Obwohl keiner so recht wusste, wie die Gesamtlage war, herrschte eine Einhelligkeit, die sich Dresdner an vielen anderen Stellen wünschen. Dass es Mitmacher aus anderen Bundesländern gab, hat sie bestärkt. Sogar aus dem Nachbarland Tschechien waren Unterstützer gekommen – mit liebevoll gemalten Transparenten, auf denen der kleine Maulwurf zu sehen war. Was würde wohl Zdeněk Miler, der Erfinder dieser süßen Figur, dazu sagen, dass der Kleine jetzt mit auf die Demo geht? Jedenfalls danke, Herr Miler, und Glückwunsch zum heutigen 90. Geburtstag!
Dank Twitter, you tube und SMS konnten alle Beteiligten und auch die Zuhause Gebliebenen ganz schnell erfahren, was an verschiedenen Orten der Stadt abging. So wurden auch die Umzüge der Blockaden an die wichtigen Stellen organisiert. Schwer vorstellbar, dass es dazu eine „Zentrale“ gebraucht hätte, die dann, als alles schon vorbei war, mit großem Polizeieinsatz gestürmt wurde. Kanonen auf Spatzen? Gewalt auf Demokraten? Ein Narr, der nicht Arges dabei denkt.
Konstantin Wecker hat das alles mitgemacht. Umziehen nach drei Liedern – kein Problem für ihn. Er hat seine Tour verlassen, um uns beizustehen! Und dann die kernigen Lieder ohne alle üblichen Auftrittsbedingungen. War das toll!
Wie oft werden wir noch stehen müssen, damit ungebetene Gäste nicht laufen können?
Ginge es vielleicht auf dem Rechts-Weg in unserem Rechts-Staat? Durch Gerichte, die etwas geschickter agieren, nicht friedliche Mahnwachen verbieten, sondern schwarzbraune Krakeeler? Machen wir dazu vielleicht auch mal eine Volksabstimmung wie für die Waldschlösschenbrücke? Die Frage könnte heißen: Sind Sie dafür, dass Neo-Nazi-Formationen jeglicher Couleur freie Bahn haben in Dresden, am Tag des Gedenkens an die Kriegsopfer oder an einem anderen Tag? Ja oder Nein? Schön, wenn das mit einem Kreuzchen an der richtigen Stelle mal abgetan sein könnte. Die Haselnüsse treffen sich dann auf einem entfernten Thingplatz* und rufen in den Wald. Und dann schallt es heraus. Wie gut doch Nein-Sagen sein kann.
* germanischer Stammes-Versammlungsort, meist auf einer Waldlichtung
Christine Ruby für Medienagentur Dresden /.Dresden Journal
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