Türckische Cammer ?– hingehen!!!
Begrüßen den Museumsfreund: vier aus Holz geschnitzte Pferde, lebensgroß, zur Präsentation von kostbarem Prunkreitzeug. „Sie kosten ungefähr so viel wie ihre lebendigen Vorbilder, sind aber preiswerter in der Unterhaltung!“, freut sich Museumschef Dirk Syndram. Foto cry
Journalisten dürfen ja schon mal vorher gucken, Fördervereine und Promis auch. Ab Sonntag, 7. März, dürfen alle kommen, die gerne Schönes sehen. Fast siebzig Jahre waren die Schätze der Türckischen Cammer untergetaucht, denn ihre frühere Heimat war das Johanneum, in dem inzwischen ja das Verkehrsmuseum zu Hause ist. Der Umzug, mag er noch so lange gedauert haben, hat sich gelohnt.
Drei Räume im Dresdner Schloss zeigen sich ab sofort von ihrer besten Seite: großzügig, edel, überraschend und – wer hätte das gedacht – modern. Was Architekt Peter Kulka hier gezaubert hat, ist unbedingt sehenswert. Eine Ausstellung, im höchsten Maße einladend, zurückhaltend im Design und gleichzeitig die Exponate tatsächlich exponierend.
Im Eingang begrüßen den Besucher vier herrliche Araberpferde. Sie scheinen gerade mal zum Lauf anzusetzen. Für die große Überraschung hat Holzbildhauer Walter Hilpert keine Mühe gescheut. Sie sind nach der Natur modelliert und wunderbar bemalt. Nicht nur berühmte Menschen werden porträtiert.
Und dann: Prunkwaffen, als Geschenke gefertigt, Gewänder, Schmuck, auch für Pferde. Eins schöner als das andere, und alles fast unmerklich verpackt in hochwertigen Vitrinen. Wie die Wand- und Bodengestaltung sind sie so zurückhaltend, dass man sie kaum wahrnimmt. Erwachsene lernen hier zu schauen wie ihre Kinder – und können sie deshalb auch ohne Bedenken mitnehmen.
Fast einmalig sind die Zelte. Dank der klugen und offenherzigen Ausstellungskonzeption kann man direkt darunter stehen und staunen. Vierhundert Jahre alt, und in so einem guten Zustand? Da liegen allerdings Jahre voller Restaurierungsfleiß dazwischen. Gut, dass hier nicht kleinlich gespart, sondern mutig im Stillen gearbeitet wurde. Dresden hat einen weiteren Magneten. Warum es so schöne Dinge aus dem Orient in Dresden gibt, wer sie wem geschenkt hat, wer alles bezahlt hat und wie toll das alles aussieht, bekommt man im Schloss erzählt. Nur hingehen muss man selbst.
Weil hier so viel Osmanisches zu sehen ist, hoffen die Initiatoren auf eine auffrischende Begegnung zwischen Orient und Europa, von türkischen und deutschen Kunstliebhabern. Und damit in Deutschland keiner sagen kann, er habe nichts davon gewusst, steht zweisprachige Werbung für die Türckische Cammer in der nächsten Zeit auf jeder Döner-Tüte. Was für eine tolle Idee! Cry
